Wanderwoche Korsika vom 13. bis 20. September 2017
26.12.2017
Bergsteiger & Wanderer

Die zu Frankreich gehörende Insel Korsika ist mit 8.722 km² fast so groß wie das Bundesland Kärnten. Die Gesamtlänge misst 183 km und maximale Breite 84 km, aber auf Grund der vielen Buchten hat Korsika eine über 1.000 km lange Küste. Wegen seiner gebirgigen Beschaffenheit wird die Insel als „Gebirge im Meer“ bezeichnet. Nur 25 km von der Küste entfernt erhebt sich der höchste Berg, der Monte Cinto, mit 2.706 m.
Ein Hochgebirge aus kristallinem Granitsockel im Westen und im Osten ein Mittelgebirge aus Schiefer durchziehen die Insel, etwa 86 % sind Bergland und nur 14 % Küstentiefland.
Korsika zieht alljährlich unzählige Kletterer und Wanderer an. Diesmal wählten auch wir
diese bergige Inselwelt, mit langjähriger Geschichte und ungebrochenem Freiheitswillen.

Unser Quartier in Aleria an der Ostküste erreichten wir nach einer Tagesfahrt. Dietmar Oberlerchner hat ein umfangreiches Tourenangebot ausgearbeitet, welches wir gleich am ersten Tag nach Ankunft in Angriff nahmen. Das Wetter war traumhaft schön und warm und wir starteten Richtung Norden in die Castagniccia. Ein ungezähmter Dschungel aus Kastanienbäumen in einer sanften Hügellandschaft, urige kleine Bergdörfer, frei laufende Schweine und Kühe und ein Netz aus engen Landstraßen – das ist die Castagniccia. Nach 2 ½ stündiger Fahrt über Berghänge, Schluchten und einsame Dörfer erreichten wir endlich Campodonico (949 m), den Ausgangspunkt zur Besteigung des Monte San Petrone (1.767 m). Campodonico ist berühmt für einen außergewöhnlichen Panoramablick über das Tal der Orezza.
Die schöne Wanderung durch unendliche Kastanien- und Buchenwälder, der herrliche Ausblick auf die umliegenden hohen Gipfel und der Blick auf die nahe Küste waren die Anstrengungen wert. Es war der „längste“ Tag der Woche und wir kamen erst spätabends
und müde ins Hotel.

Am zweiten Tag war der Mt. Renoso (2.352 m) eingeplant.  Eine Fahrverbotstafel für Busse, bereits im Tal, machte das Ziel unmöglich. So planten wir kurzfristig um und fuhren in die Bavella Gruppe, in südliche Richtung. Vom mit Laricio-Kiefern bewachsenen Bavella-Pass auf 1.218 m wanderten wir auf dem GR20, einem der schwierigsten und anspruchsvollen alpinen Weitwanderwege Europas, in imposanter Bergwelt zum Refuge de Paliri, immer die Punta Tafunata mit ihrem Fenster im Blickfeld.

Ein weiterer Tourentag führte uns von Corte, der einstigen Hauptstadt im Inneren der Insel ins Tavignano Tal, einem der schönsten Flusstäler Korsikas. Der Weg war früher ein Hirtenweg und verläuft durch den mit Macchia bewachsenen Südhang des Tales. Die Schlucht wird immer spektakulärer und ist von steilen, kunstvoll geformten Felswänden gesäumt. Ein kurzer Regenschauer konnte uns nichts anhaben. Die Hängebrücke Passerelle Russulinu war unser Ziel. Auf dem Rückweg machten wir einen Abstecher zum Flusslauf hinunter und ergötzten uns an den Gumpen (Badetümpel), jeder auf seine Art.

Anderntags führte Dietmar eine kleinere Gruppe an den Bavella-Türmen I und II vorbei auf die Punta di a Vacca Turm III. Das Wetter war windig und hatte abgekühlt und der Auf- und Abstieg durch eine steile Rinne mit Felsblöcken und die Überwindung einer mit einer Kette gesicherten Felsplatte waren recht anspruchsvoll. Einige Wanderfreunde zogen es vor, am nahen Meer den Tag zu verbringen. Die dritte Gruppe wanderten am Etang dÙrbino, einer
interessanten Küstenlandschaft, entlang.


Das Wetter war kühler geworden, doch für eine Wanderung ins Restonicatal war es allemal passend. Von Corte brachten uns zwei Kleinbusse die schmale Straße hinauf bis zur Bergerie de Grottelle auf 1.370 m. Durch den breiten, vom Gletscher geformten Talschluss führte uns ein vielbegangener Weg, später über mit Eisenketten gesicherten Felsstufen hinauf zum malerisch gelegenen Melo-See auf 1.711 m. Zum Capitello-See wären es nur mehr 200 hm gewesen, doch die sich zusammenbrauenden Wolken rieten zur Umkehr. So hatten wir für eine fröhliche und gesellige Einkehr in der Hütte etwas mehr Zeit.

Am letzten Tag auf Korsika machten wir eine gemütliche Tour wieder in der Castagniccia. Das Wetter war wieder warm und schön. Den Pointe de Nevera, 815 m, erreichten wir über einen herrlichen Aussichtspunkt, den Belvedere de Cervione, mit einem gusseisernen Kreuz, von wo man die ganze Küstenlinie und die Berge im Innern der Insel bestaunen konnte. Der Rückweg führte uns auf der gegenüberliegenden Talseite zum Ausgangsort Cervione, wo wir in einem netten Lokal die gelungene Wanderwoche bei einem Glas Wein gut gelaunt ausklingen ließen.  

Die Insel hätte noch viele Möglichkeiten geboten, die unser Tourenführer Dietmar vorbereitet hatte, doch wir haben diese Woche zur Zufriedenheit aller bestmöglich genützt und auch genossen. Ein großes Lob und Dankeschön an Dietmar, dass er sich diesem Vorhabens so intensiv angenommen hat.

„Die Freiheit tut noch mehr Wunder als der heilige Antonius von Padua“
Pascal Paoli, korsischer Revolutionär und Widerstandskämpfer (1725-1807)

Dorli Potenes, Schriftführerin

Blick auf Campodonico

Blick auf Campodonico

Historische Pfade

Historische Pfade

Aufstieg auf den Mte. San Petrone

Aufstieg auf den Mte. San Petrone

Der Mte. San Petrone nach Westen

Der Mte. San Petrone nach Westen

In der Bavella

In der Bavella

Kurz vor dem Übergang Foce Finosa

Kurz vor dem Übergang Foce Finosa

Punta di L´Anima Damnata

Punta di L´Anima Damnata

Felsriesen am Weg

Felsriesen am Weg

Refuge de Paliri

Refuge de Paliri

Am Bavella-Pass

Am Bavella-Pass

Ein Weg ins Tavignano-Tal

Ein Weg ins Tavignano-Tal

Die Zitadelle von Corte

Die Zitadelle von Corte

Uralte Schürfwunden

Uralte Schürfwunden

Aufstieg zum Turm III (Punta di a Vacca)

Aufstieg zum Turm III (Punta di a Vacca)

Über eine Steinplatte mit Sicherungskette

Über eine Steinplatte mit Sicherungskette

Blick von der Bavella bis an die Ostküste

Blick von der Bavella bis an die Ostküste

Knapp unterhalb des Gipfels durch eine Felsrinne

Knapp unterhalb des Gipfels durch eine Felsrinne

Turm III (Punta di a Vacca)

Turm III (Punta di a Vacca)

Zum Melo-See geht's recht zünftig und schräg

Zum Melo-See geht's recht zünftig und schräg

Eine Stiege über die letzte Felskante

Eine Stiege über die letzte Felskante

Frisch und windig

Frisch und windig

Der Melo-See

Der Melo-See

Belvedere de Cervione - ein markanter Aussichtspunkt

Belvedere de Cervione - ein markanter Aussichtspunkt

Leichte Kletterei

Leichte Kletterei

Durch Farnenwälder

Durch Farnenwälder

Blick auf Cervione, kurzzeitig Hauptstadt

Blick auf Cervione, kurzzeitig Hauptstadt

Die Fähre nach Livorno

Die Fähre nach Livorno

Ein letzter, wehmütiger Blick auf Bastia

Ein letzter, wehmütiger Blick auf Bastia