Windräder auf Kärntens Bergen?
29.01.2019
Verein

Problematische Aspekte der Windenergienutzung

Unter diesem Titel hatte die Arbeitsgemeinschaft der Alpinen Vereine Kärntens am 25. Jänner 2019 nach Klagenfurt geladen und entsprechend groß war auch der Andrang zum Expertenforum Windenergie.

Mehr als 120 Menschen aus den Kärntner Bürgerinitiativen, Fachleute der KELAG, führende Kärntner  Politikerinnen und Politiker, Betreiber, Projektwerber und Gegner von Winkraftanlagen, Vertreterinnen und Vertreter von Naturschutzorganisationen und viele interessierte Bürger waren der Einladung zu dieser  hochkarätig besetzten Veranstaltung gefolgt. Im Herbst 2018 bekanntgewordene Pläne der KELAG, auf dem Wöllaner Nock einen Windpark zu errichten, hatten die Veranstalter dazu bewogen, im Rahmen dieser Veranstaltung auch auf die Schattenseiten der Windkraft auf Kärntens Bergen hinzuweisen. 

Der Grazer Universitätsprofessor Gerhard Lieb referierte zu den kritische Aspekten der Gewinnung von Windenergie in Gebirgslagen aus geographischer und kulturhistorischer Perspektive. Der vor etwas mehr als einem Jahr eröffnete Windpark Handalm auf der Koralm sei bei Schönwetter mit freiem Auge bis Graz und in das Südsteirische Weinland sichtbar und auch der Flächenverbrauch einer Windkraftanlage stehe im groben Mißverhältnis zum Nutzen der Windkraft im Gebirge. Windparks sind nach Lieb, da sie lediglich dem Zweck der Energiegewinnung dienen, monofunktional und widersprechen daher einer nachhaltigen und gesamtheitlichen Alpenpolitik im Sinne der Alpenkonvention.

Auch die Koreferenten Herbert Jungwirt vom Oberösterreichischen Alpenverein und Professor Josef Friedhuber von den Naturfreunden wiesen, besonders auch wegen der fehlenden Nachhaltigkeit von Windkrafträdern in Gebirgslagen, auf den Widerspruch von „Wind-Industrieanlagen“ zur Alpenkonvention und damit auf die Gefahr des Verstoßes gegen europäisches Völkerrecht und unmittelbar anwendbares Bundesrecht hin. Der in Oberösterreich mit dem Ehrentitel „Alpenrebell“ versehene Herbert Jungwirt hatte der Windkraft als Form der Gewinnung von Energie aus erneuerbaren Quellen ursprünglich viel abgewinnen können. Erst die Erkenntnis, dass die Windkraft, besonders im Bergland, auch sehr viele Nachteile mit sich bringen würde hatte ihn zum Umdenken bewogen. Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass wir durch die unhinterfragte Nutzung dieser scheinbar sanften Energiequelle eigentlich das zerstören, was wir eigentlich schützen wollten, nämlich die Natur und damit unsere Lebensgrundlage. 

Die Mär, dass Vögel nur bei schlechter Sicht in die Windräder fliegen würden, wurde im Vortrag des  Umweltschutzbeauftragten im Militärkommando Kärnten Oberstleutnant Gerald Malle nachdrücklich widerlegt. Er betonte, dass die Anlagen in ihrer Gemengelage sowohl für Zugvögel wie auch insbesonders für die gefährdeten heimischen Vogelarten (Rauhfußhühner, Stein- und Seeadler, Nachtbeutegreifer, Fledermäuse und beispielsweise auch die neuerdings wiederangesiedelten Bartgeier) beinahe undurchdringbar und daher lebensgefährlich seien. 

Erich Auer, Landesnaturschutzreferent des ÖAV Kärntens und Mitglied des Naturschutzbeirates des Landes, appellierte daran, der Energieverschwendung Einhalt zu gebieten, die Effizienzsteigerungsmaßnahmen zu intensivieren und erst dann an weitere Ausbaumaßnahmen – vorrangig Photovoltaik, Biomasse – zu denken.

Deutlich wurde an diesem Abend auch widerlegt, dass, wie von vielen Projektwerbern behauptet, die Zufahrt zur Errichtung, Erneuerung und Versorgung der Windkraftanlagen lediglich auf einigen bereits bestehenden Forstwegen stattfinden würde und dass keine neuen Zubringerstraßen notwendig sein würden. Vielmehr müssten aufgrund der hohen Tonnage der Anlagen breite und befestigte Straßen völlig neu in die Berglandschaft gebaut werden. 

Drastisch dargestellt wurde vom Sprecher der Alpinen Vereine, dem früheren Richter Arnold Riebenbauer auch die Höhe und damit die Sichtbarkeit der Windkraftanlagen. So seien die modernen Masten teilweise über 200 Meter hoch, im Vergleich dazu ragt Österreichs höchster Dom, der Stephansdom in Wien, lediglich 136 m in den Himmel. Der im Gesamtvergleich geringe Nutzen der Windkraft würde dem Tourismusland Kärnten einen unwiederbringliche Schaden zufügen.

Von den anwesenden Politikerinnen und Politikern wurde unisono betont, dass Kärnten „kein Windkraftland“ sei, sondern dass hier die Wasserkraft, die Nutzung von Biomasse und die Photovoltaik im Vordergrund stehen würde. Umweltlandesrätin Sara Schaar betonte aber, dass Österreich ein Rechtsstaat sei und sie niemanden davon abhalten könne und wolle, Anträge zu stellen. Grundsätzlich kämen für Kärnten jedoch lediglich wenige, punktuelle Landstriche zur Errichtung von Windkraftanlagen in Betracht. Aber auch dort könnten Bewilligungen nur unter der Prämisse, der Berücksichtigung des Erhalts der Eigenart der Kärntner Landschaft und der Identität der Regionen des Landes, wie dies ausdrücklich im § 1 der Kärntner Windkraftstandorträumeverordnung vorgesehen ist, erteilt werden. Gernot Darman, der Klubchef der FPÖ Kärnten, betonte sein klares Nein zur Errichtung von Windkraftanlagen auf Kärntens Bergen.

Das von den alpinen Vereinen initiierte Expertenforum im ÖGB Haus in Klagenfurt gab vielen Besuchern der Veranstaltung – auch Errichtungswerbern und Betreibern – die Gelegenheit, nach dieser sehr differenzierten Darstellung der Problematik der Nutzung der Windenergie im Alpenraum völlig neue Eindrücke mit Nachhause zu nehmen. 

Rückfragehinweise:

Dr. Arnold Riebenbauer
Sprecher ARGE der Alpinen Vereine Kärntens

Klaus Bayer
ARGE der Alpinen Vereine Kärntens

Mag. Peter Angermann, MAS
ARGE der Alpinen Vereine Kärntens