Schitourenwoche 2019 im Ahrntal
18.04.2019
Alpin

Schitourenwoche 2019 im Ahrntal

Großartig haben wir sie in Erinnerung behalten, unsere letzte Schitourenwoche 1999, damals noch als DINKS*. So gut, dass wir sie 20 Jahre und zwei wunderbare Töchter später unbedingt wieder in unser Leben holen wollten. Im Herbst 2018 war es dann endlich soweit. Das AV Hefterl unserer Heimatsektion Radenthein flatterte ins Postkasterl unserer Villacher Villa Grün. Und mit ihm die Ankündigung der Schitourenwoche 2019 ins schöne Südtiroler Ahrntal. Ich habe kurz gegoogelt und dann nicht lang gezögert – zumindest kam mir das so vor (hinterher hab ich erfahren, dass ich zwei der letzten Plätze ergattert habe), hab uns angemeldet und hatte eine wunderbare und sehr gelungene Weihnachtsüberraschung für meinen lieben Michi und mich (weil ich so lange dicht halten konnte).
Die Vorbereitungsphase lass ich aus Platz- (und in der Realität aus Zeit-) gründen aus. Mit solider (so dachte ich) Grundkondition reisten wir bereits am Samstag an. Welch Freude, gleich ein bekanntes Gesicht, Urgestein (sorry Georg ????) anzutreffen. Die Organisatoren der Woche, Vater Georg und Sohn Sascha Winkler waren schon da und hatten bereits die Lage erkundet.

Das Ahrntal und die Bergers

Das Ahrntal liegt im nord – östlichsten Bereich von Südtirol. Im Norden wird es begrenzt von den Zillertaleralpen, im Osten blickt man auf die Venediger- und Lasörlinggruppe und Richtung Defreggental. Unser Ziel, Rein in Taufers, erreichten wir, indem wir vom Pustertal kommend bei Bruneck 25 Kilometer nach Norden fuhren.
Das familiengeführte Hotel Berger erwies sich als ein entzückendes Schmuckstück und Beispiel Südtiroler Gastlichfreundlichkeit. Neben einem kleinen, aber feinen Wellnessbereich samt Hallenbad begeisterte uns die ausgezeichnete Küche, die regionale Köstlichkeiten, raffiniert verfeinert kredenzte. Das ausladende Frühstücksbuffet ließ keinen Wunsch unerfüllt. Außer dem, es länger genießen zu können, was unsere Guides uns ab und zu versagten. Nämlich immer dann, wenn eine der wunderschönen, aufregenden und langen Touren am Programm standen. Also von Montag bis Freitag. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Denn die Gastgeber zeigten enorme Flexibilität und zauberten sogar um 6 Uhr morgens allerlei Köstlichkeiten auf den Tisch. Besonders erwähnenswert der Einfallsreichtum bei den vegetarischen Gerichten.
Nach einem herzlichen come together am Sonntag  erfolgte die Gruppeneinteilung. Lauter gstandene, durchtrainierte Mannsbilder und eine Henne im Korb unter der Leitung von „Schursch“, das war unsere Gruppe. Wunderbar!

Naturpark Riesenferner…

Rein liegt auf 1600 m, umgeben vom Naturpark Rieserferner-Ahrn in landschaftlich reizvoller, hochalpiner Lage. Der Ort ist Ausgangspunkt für eine Vielzahl von Bergtouren in der Durreck- und der Rieserfernergruppe. Hausberg ist der Hochgall, mit 3436 m der höchste Berg der Rieserfernergruppe der Hohen Tauern. Wir haben diese Gegend mit einer Tour auf die 3030 m hohe Dreieckspitze (Aufstieg 9 km + 1300 Hm) erkundet. Bei frisch gefallenem und noch mehr eingeblasenem Neuschnee wanderten wir rund eine Stunden durch das flache, märchenhaft Zirbengesäumte Knuttental zur Knuttenalm, die mit ihren schönen Hütten auch im Sommer ein lohnendes Ziel sein muss. In dieser Gegend befindet sich in knapp 2300 m der höchste Zirbenbestand der Ostalpen.
Über sanfte Almen und einen knackigen 33°steilen Hang, stiegen wir von Nordwesten, die Dreckspitze immer vor Augen, zu einer Scharte auf. Vorbildhaft mit großen Abständen. Stop or go war die Devise des Tages, der Lawinenwarnstufe 3 geschuldet. Auf der Scharte erwartete uns ein beeindruckender Blick über die Weiten des unberührten Fleischbachkees, der ins Defreggental mündet. Wir näherten uns der Dreickspitze über die Ostseite und erreichten den Gipfel über eine kurze, steile Flanke von Süden. Nach einer Gipfelstärkung begleitet von Jagdhornfanfaren einer Tourenkollegin aus Sascha‘s Gruppe fuhren wir über denselben Weg ab. Die langen Pulverschneeabfahrten unberührter Tiefschneehänge waren noch eine Draufgabe für diese Hochgenuss-Tour.

…und die Venedigergruppe

Anderntags entschieden wir uns gemeinschaftlich für die Tour auf den Ahrner Kopf (3051 m) in der Venediger Gruppe. Er ist der Ausgangspunkt für die Haute Tirol, eine mehrtägige Tour, die beim Großglockner mündet. Diesmal starteten wir in Kasern, Talschluss des Ahrntals. Der Aufstieg erfolgte über das Windtal. Nomen est Omen. Es hat uns hinein aber leider nicht hinaufgeblasen. Die Tour ist mit einer Länge von rund 9 km und 1500 Hm anspruchsvoll. Die letzten 70 Hm zum Gipfel bewältigt man am besten, weil sehr steil, zu Fuß. Und wieder wurden wir mit genialen Pulverhängen entlang der Aufstiegsspur und Erfrischungsgetränken in der Hütte im Talschluss belohnt. 

Das Weißenbachtal, der Speikboden…

Drei Touren starteten wir vom Weißenbachtal aus. Das nach Osten vom Ahrntal abzweigende Seitental wird im Norden von den Zillertaler Alpen begrenzt und wartet im Süden mit dem Speikbodenmassiv auf. Es bietet ein großes Angebot an wunderschönen Schitouren von einfach bis schwer, aber auch Pisten und ist bei Paragleitern ein beliebter Startplatz für ausgedehnte Streckenflüge.

Für unsere Ein- und Ausgeh-Touren wählten wir das Speikbodenmassiv. Am ersten Tag haben wir Neuschnee bestellt und über Nacht auch bekommen. Der Anstieg (1100 Hm, 7km) auf den Gornerberg (2475m), liebevoll „Henne“ genannt, erfolgte noch bei leichtem Schneefall. Die Abfahrt bei aufklarendem Himmel und feinstem Pulver. Diesen einfachen, aber sehr lohnenden und viel begangenen Schitourenberg bei so traumhaften Bedingungen als erste zu „erlegen“ war ein besonderes Zuckerl gleich am ersten Tag der Woche.  Bemerkenswert: Bester italienischer Espresso auf den entlegensten Berghütten. Klar, dass wir da einkehren mussten. Und dass wir am Ende einer mit 100% blauem Himmel gesegneten Woche, hier am benachbarten Speikboden (2518m) noch immer unbefahrene Pulverschneehänge gefunden haben, hat dieses Gebiet endgültig für immer in unsere Schitouren - Herzen eingebrannt.

…und die Zillertaler Alpen

Höhepunkt (im wahrsten Sinn des Wortes) der Woche war die 5.Hornspitze (3148m), Grenzberg in den Zillertaler Alpen. Mit 1700 Hm und 10 km Distanz das größte Unterfangen der Woche. Erschwerend: traumhaftes Wetter, Sonnenschein ohne Ende und südseitig ausgerichtete Tour. Wir starteten natürlich früh und brauchten zur Abwechslung mal die Harscheisen. Wir passierten die schöne Gogenalm mit einem herzigen Kirchlein auf 2000m und näherten uns dem schweißtreibenden Gipfel über ein breites und teilweise sehr steiles, und immer der Sonne ausgesetztes Kar. Hut ab für meine Kollegen, die den Gipfel – die letzten 100 HM zu Fuß mit Pickel – erklommen. Ich verzichtete und machte unter dem Gipfel ein verdientes Schläfchen. Die Abfahrt war wieder ein Vergnügen, diesmal in Firn.

Mein Highlight des Tages war die Südtiroler Gastfreundschaft zu erleben. Trotz Betriebsurlaub nahmen uns die Wirtsleute der Schnaidaleachn, ein Kleinod an Südtiroler Wirtshauskultur, auf. Gemeinsam mit der Gruppe Sascha feierten wir ausgiebig den Gipfelsieg. Und als wir bezahlen wollten, durften wir nicht. Wir wurden auf alles eingeladen, weil ja offiziell nicht geöffnet war.   


Vielen Dank, es hat uns sehr gefreut

 42 km und 6700 Hm später packten wir ein wenig wehmütig, ordentlich trainiert und auf alle Fälle voll motiviert unsere Koffer. Wir verabschiedeten uns von unseren neu gewonnenen Tourenfreund/Innen und machten uns, nachdem Michi noch das Fluggebiet ausgiebig getestet hat, auf den Heimweg. Mit besten Vorsätzen im heurigen Jahr die Vorbereitungsphase nicht auszulassen. Und vorallem die Anmeldefrist nicht zu verpassen. Wir sind auf alle Fälle wieder gern dabei ????

Vielen Dank für die tolle Organisation, die vielen Vorbereitungsstunden, die großartige Tourenauswahl, das Übernehmen der Verantwortung und die umsichtige Führung von uns SchitourenliebhaberInnen. Bleibt gesund bis wie uns Wiedersehen!  

Eure Bergfreunde Iris Reiner & Michael Rajakowitsch

*DINK = double income no kids