Kolumbien und Ecuador Reise 2019
08.11.2019
Bergsteiger & Wanderer

Wir, meine Freundin Daniela, mein Papa Georg, Gabi, Michael und ich (Sascha), 5 Mitglieder des Alpenverein Sektion Radenthein, machten uns am Freitag den 10. Mai auf nach München, um unseren Flieger nach Bogota zu erwischen. Am Flughafen waren wir dann doch etwas aufgeregt, da der Großteil unserer kleinen Gruppe nicht abschätzen konnte, was uns in den folgenden drei Wochen erwarten wird.
Nach einem zwölfstündigen Flug landeten wir dann in Bogota, der auf ca. 2.600m gelegenen Hauptstadt von Kolumbien. Als wir um ca. 4 Uhr Früh Ortszeit aus dem Flughafen in die kühle, aber schwüle Nachtluft traten, erwartete uns auch schon meine Tante Veronika um uns sicher zu sich nach Hause zu geleiten, von wo aus wir die ersten paar Tage unsere Unternehmungen starteten.

Kolumbien Teil 1, Bogota und Umland
Neben dem Besuch des weltgrößten Goldmuseums, der Salzkathedrale in Zipaquirà, wobei es sich um ein aufgelassenes Salzbergwerk handelt, das von der Kirche zu einem Pilgerort adaptiert wurde und dem schönen bogotanischen Hinterland, verbrachten wir eine Nacht im Nationalpark Chingaza. Wohlgemerkt bewegt man sich im Umland von Bogota immer auf einer Höhe zwischen 2600m und etwas über 3000m. Im Nationalpark Chingaza starteten wir die erste kleine Akklimatisationstour. Wir wanderten vom Eingang des Parks von ca. 3.400m auf den Cuchillias de Suecha mit einer Höhe von 3.760m. Durch Sträucher und Wiesen ging es dabei vorbei an vielen Pflanzen namens Frailejones, die NUR 0,6 bis 1cm pro Jahr wachsen. Untergebracht waren wir dann in einer spärlich eingerichteten Schutzhütte. Am nächsten Tag ging es dann auf Erkundungstour in den dschungelähnlichen Wald.

Ecuador
Nach 5 Tagen starteten wir dann in das Abenteuer Ecuador. Nach einem eineinhalbstündigen Flug landeten wir in Quito auf über 2.800m. Nachdem wir im Hotel eingecheckt hatten, ging es auch gleich mit einem in Quito lebenden, aber gebürtigen deutschen Touristenführer durch die Altstadt. Wir schlenderten durch die koloniale Altstadt vorbei an den vielen wunderschönen Kirchen und lernten viel über das Lebensgefühl der Ecuadorianer. Am nächsten Tag stand auch schon der erste Gipfel auf dem Programm.

Der Rucu Pichincha mit 4.696m ist der Hausberg von Quito. Nachdem wir die Seilbahn für den Aufstieg von 3.000m auf fast 4.000m genutzt hatten, befanden sich einige von uns das erste Mal auf dieser Höhe und es wurde schnell klar, dass hier jeder Schritt um einiges schwerer fällt als in den Nockbergen. Wir wanderten langsam dem Gipfel entgegen. Unser Führer Jaime, der uns bei den restlichen Bergabenteuern ebenfalls führen wird, machte ein gutes Tempo zum Eingewöhnen. Nach gut 3 Stunden erreichten wir alle 5 den Gipfel. Bis auf Georg waren wir alle das erste Mal so hoch, und die Freude war jedem trotz der Anstrengung anzusehen.

Es war für uns zwischen jedem Gipfel ein freier Tag eingeplant, damit wir uns wieder erholen konnten. Am Tag nach dem Rucu Pichincha ging es zu einem Indiomarkt in Otavalo, etwa eineinhalb Autostunden von Quito entfernt. Den freien Tag nach Illiniza Norte,nutzte jeder etwas anders zum Entspannen. Nach dem Cotopaxi hatten wir einen freien Tag in Banòs, einem Erholungsort im Süden von Quito. Michael, Dani und ich nutzten die Gelegenheit, das Umland zu erkunden und auch noch das eine oder Abenteuer zu suchen. Ich bekam einen kleinen Adrenalinkick auf einer der riesigen Schaukeln, alle drei wurden wir dann von einem großen Wasserfall verzaubert und Georg und Gabi genossen die Ruhe und erkundeten die Stadt. Nach der Besteigung des Chimborazo hielten wir uns noch eine Nacht in Riobamba auf, bevor es für Michael zurück nach Europa und für uns restliche vier wieder zurück nach Bogota ging.

Der Illiniza Norte mit seinen 5.126m ist ein technisch leichter und schneefreier 5.000er. Es ging früh morgens um 4 Uhr los. Mit Pickups wurden wir zum Parkplatz im Nationalpark Illinizas, auf 4.000m gebracht. Langsam ging es Richtung Refugio Nuevos Horizontes, das auf etwa 4.700m liegt. Geplant war, dass Gabi mit Elisabeth, der Eigentümerin von “Andean Summit Travel” und Lebensgefährtin von Jaime, bei der Hütte bleibt und der Rest den Gipfel in Angriff nimmt. Leider bekam Daniela im Aufstieg knapp unter der Hütte starke Kopfschmerzen, so dass sie es für besser empfand, auf den Gipfel zu verzichten. Die Gesundheit geht vor. Der Rest von uns, Michael, Georg, unser Bergführer Jaime und ich gingen weiter. Der Weg wurde bald nach der Hütte von leichten Klettereien abgelöst und so ging es Richtung Gipfel. Um genau 12 Uhr mittags standen wir 3 Bergretter der Ortsstelle Radenthein-Nockberge am Gipfel, für 2 von uns der bislang höchste. Nach einem Gipfelfoto und einer kurzen Rast ging es dann, nach ein paar Metern die abzuklettern waren, über ein Schotterkar Richtung Tal. Leider wurde das Gipfelpanorama von Nebelschwaden getrübt. Nach etwa 6 Stunden, und etwas mehr als 1.100hm Auf- und Abstieg erreichten wir wieder die Autos, wo der Rest der Gruppe schon auf uns wartete.

Mit dem Cotopaxi, wo der Gipfel auf 5.897m liegt, ging es dann ans Eingemachte. Wir wurden morgens nach dem Frühstück von Quito abgeholt und starteten Richtung Süden. Kurz vor den Einfahrtstoren des Cotopaxi Nationalparks stießen dann Jaime und zwei seiner Kollegen zu uns. Die drei sollten uns dann am nächsten Tag auf den Gipfel führen. Der Bus quälte sich bis auf 4.700m, von wo aus wir dann 200hm bis zum Refugio Josè Rivas bei Schneeregen aufstiegen. Am späteren Nachmittag erreichten wir die Hütte. Es gab dann auch gleich Abendessen und wir legten uns zum Schlafen in unsere Betten, da unsere Tour um Mitternacht startete. Nach schlaflosen 5 Stunden mit Kopfschmerzen bekamen wir noch eine Kleinigkeit zu essen. In der Dunkelheit ging es dann los. Der Weg schlängelte sich über Felsen und Schutt nach oben. Auf etwa 5.100m drehte der Bergführer-Anwärter wegen Kopfschmerzen und Übelkeit um. Auf 5.200m hieß es für uns restlichen 5 die Steigeisen und Gletscherausrüstung anlegen. Vorbei an riesigen Spalten ging es dann weiter gen Gipfel, den wir dann nach 6 Stunden und 15 Minuten erreichten. Die letzten Meter wurden wir von den ersten Sonnenstrahlen des Tages und einem sehr starken Schwefelgeruch, der aus dem Schlund des Vulkans heraufzog, begleitet. Am Gipfel vielen wir uns dann regelrecht erleichtert in die Arme und gratulierten uns mit einem “Berg Heil” zu unserem Gipfelerfolg. Wir hielten uns aber nicht lange am Gipfel auf, da wir noch einen langen Abstieg vor uns hatten. Es ging wieder durch die unglaubliche Gletscherwelt Richtung Tal. Jetzt wird uns erst bewusst, durch welch schöne Landschaft wir aufgestiegen sind. Auf etwa 5.100m wurden wir schon von Dani und Gabi empfangen, die uns mit dem umgedrehten Bergführer-Anwärter entgegengekommen sind. Auch die zwei Damen hatten die 5.000er Marke geknackt. Erleichtert und voller Stolz stiegen wir dann gemeinsam zur Hütte ab, wo wir dann ein stärkendes Frühstück bekamen.

Der Chimborazo mit 6.267m, ist die, vom Erdmittelpunkt aus gemessen, höchste Erhebung der Erde und sollte unserer Reise krönen. Es ging wieder nach dem Frühstück von Banòs aus mit dem Bus auf 4.800m. Wir konnten direkt zum Refugio Hermanos Carrel zufahren. Leider ist die Whymper Hütte geschlossen, so hatten wir mehr Höhenmeter zu bewältigen. Als uns Jaime dann auch noch mitteilte, dass der direkte Weg wegen Steinschlaggefahr gesperrt ist und wir so einen weiteren Weg in Kauf nehmen mussten, war kurzzeitig die Stimmung am Boden. Jetzt wurden schon aus knapp 1.100 hm über 1.500hm und dann auch noch der weitere Weg. Nach dem Essen zogen wir uns in unsere Betten zurück, da diesmal schon um 22 Uhr gestartet wurde. Pünktlich gingen wir los. Daniela und Gabi blieben wieder bei der Hütte zurück und mussten dort ausharren. Zuerst ging es wenig ansteigend los, dann wurde es zunehmend steiler. Jeder Schritt in dieser Höhe ist schwierig und man muss seinen eigenen Rhythmus finden, aber Jaime legte ein gutes Tempo vor. Nach gut eineinhalb Stunden auf etwa 5.200m legten wir unsere Gletscherausrüstung an. Angeseilt ging es dann weiter. Wir mussten eine lange, sehr lange Querung machen. Links ging es steil und felsig bergauf und rechts fiel der Hang felsendurchsetzt ab. Danach wurde es wieder etwas flacher, bis dann eine leichte kleine Kletterei kam. Plötzlich zog Wind auf, es wurde merklich kälter und Nebel viel ein. Ich spürte auch zunehmend wie mir mein Kopf anfing weh zu tun und bekam auch immer schwerer Luft, bis ich dann auf etwa 5.650m den Entschluss fasste, dass es nicht mehr geht. Nach einer kurzen Beratung in der Gruppe, ich wollte auf keinen Fall, dass Michael um seinen Gipfelsieg gebracht wird, drehten Papa und ich um. Michael und Jaime gingen weiter. Das Schlimme ist nicht, dass ich den Gipfel nicht geschafft habe, sondern dass es nach etwa 200hm im Abstieg wieder schnell besser wurde. So blieb mir der erste 6.000er verwehrt. Etwas betrübt, aber trotzdem gut gelaunt und stolz auf meine Leistung gingen Papa und ich zurück zum Refugio. Wir legten uns wieder aufs Ohr und warteten gespannt auf die Rückkehr von Michael und Jaime und ihre Erzählungen. In den frühen Morgenstunden, wir lagen noch im Bett, ging die Türe auf und ein erschöpft aber zutiefst zufrieden dreinschauender Michael stand in der Türe. Wir sahen sofort, dass er am Gipfel war und gratulierten ihm herzlich mit einer Umarmung. Er erzählte uns, wie es ihm ergangen ist, dass oben am Gipfel der Wind noch stärker und der Nebel noch dichter war. Sie hatten nicht einmal die Möglichkeit ein Gipfelfoto zu machen, da die Gefahr bestand, dass sie das Handy oder die Kamera wegen dem Wind verlieren konnten. Hier noch einmal ein recht herzliches Berg Heil Michael zu deinem ersten 6.000er. Nach einem gemeinsamen Frühstück und noch ein paar erholenden Momenten im Bett holte uns auch schon der Bus ab und es ging nach Riobamba, wo wir den letzten gemeinsamen Abend mit einem Abendessen, ortsuntypisch einer Pizza und ein paar Bier, ausklingen ließen.

Nach 11 Tagen war das Abenteuer Ecuador zu Ende. Für Michael ging es wieder zurück nach Europa und wir restlichen vier hatten noch eine Woche in Kolumbien.  

Kolumbien Teil 2, Lago di Tota- Yopal
Montag ging es dann Richtung Lago di Tota. Wir fuhren mit dem geländegängigen Auto meiner Tante, das auch für die Stadt empfehlenswert ist, quer durchs Land zum Lago di Tota. Wir übernachteten dort in einem wildromantischen Hotel direkt am See, bevor es dann auf einer Passstraße zuerst wieder auf 3.200m und dann bis Yopal auf 300m ging. In Yopal angekommen, wurden wir dann zur Finca von Miguel geleitet. Alleine hätten wir da vermutlich nicht hingefunden. Es ging den Berg hinauf, dann wieder hinunter, die Asphaltstraße lag schon hinter uns, dann durch ein Bachbett, bevor wir dann mitten im Dschungel die Finca erreichten. Ein riesengroßes Anwesen mit einem Gästehaus in dem sich 3 Gästezimmer befanden, die sie hin und wieder vermieten, einem Haupthaus und einem Haus für die Angestellten. Vor dem Haupthaus lag eine große Terrasse mit Pool. Das gesamte Anwesen wurde von Mango, Papayabäumen, Palmen und Bäumen mit bunten Blüten gesäumt, in denen farbenfrohe Papageien saßen. Etwas unterhalb des Hauses lag ein riesiger Teich, in dem man die Augen von Kaimanen ausmachen konnte, weiters gab es Schildkröten und Piranhas. Wir wurden sehr, sehr herzlich von Miguel und seiner Frau empfangen. Am Tag unserer Ankunft bot uns Miguel auch gleich an, uns mit seinem Buggy auf den Gipfel des Anwesens zu fahren. Dani und ich nahmen das Angebot an, der Rest folgte uns zu Fuß, weil wir ja zu wenig Sport gemacht hatten die letzten Wochen. Am Gipfel lagen hinter uns die Ausläufer der Berge bedeckt mit Dschungel und vor uns eine Weite, die wir so nicht kannten, das flache Orinoco-Gebiet. Laut Miguel gibt es ab hier keine Erhöhung mehr bis Brasilien. Wir machten dann am nächsten Tag eine Dschungelsafari auf einer Farm. Wir bekamen Tiere zu sehen, die gibt es bei uns nicht. Einfach wunderschön. Verschiedenste bunte Vögel, Wasserschweine, Kaimane, auch unter zwei Nester von Killerbienen mussten wir durch gehen, von denen war allerdings unser Führer auch überrascht und eingeschüchtert. Zu Mittag bekamen wir typisches regionales Essen und hielten eine längere Siesta in den vor dem Haupthaus gespannten Hängematten. Nach dem Aufwachen bekamen wir noch Kaffee und Kuchen und der zweite Teil der Safari startete. Zuerst wieder zu Fuß durch die Wälder, wir bekamen frisch gepflückte Mango zu kosten, dann ging es mit einem Langboot auf den Fluss, wo wir durch das mit Wasserlinsen bedeckte Wasser ruderten. Wohlwissend, dass sich unter uns unzählige Kaimane befanden. Den Tag ließen wir mit einem Sonnenuntergang am Fluss zu Ende gehen. Vor uns verschwand die Sonne am Horizont und in der Ferne hörte man die Brüllaffen schreien. Dann ging es wieder zurück zur Finca. Nach einem abkühlenden Sprung in den Pool gab es Abendessen. Bevor wir dann ins Bett gegangen sind, ließen wir die letzten Wochen, wohlwissend dass es in 3 Tagen nach Hause ging, bei ein oder zwei Gläser Wein Revue passieren. Bei der Rückfahrt von Yopal nach Bogota, übernachteten wir in der kleinen Künstlerstadt Villa de Leyva. Eine wunderschöne alte Stadt im Kolonialstil. Die letzten zwei Tage ließen wir dann etwas entspannter angehen.

Mein Resümee dieser Reise: Wir haben viele nette Leute kennen gelernt, viel gesehen, viel erlebt und ich möchte keine Minute davon missen.

Ein herzliches Dankeschön an alle, die mitgeflogen sind, für die Kameradschaft und dass alles so reibungslos geklappt hat, an Michael Dirninger, der uns in die Obhut von Elisabeth und Jaime von „Andean Summit Travel“ übergeben hat und natürlich auch an Elisabeth und Jaime, die dafür gesorgt haben, dass in den 11 Tagen in Ecuador alles funktioniert hat, wie es solle.