Annapurna IV
30.10.2011
Alpin

Schon bald nach der letzten Bergfahrt der HG vor 4 Jahren nach Tibet (China) begannen in den Köpfen der meisten HG´ler Gedanken und Ideen über eine nächste Reise zu kreisen. Es kristallisierte sich heraus, dass doch der Himalaya die bergsteigerisch interessanteste Region ist. Nepal bzw. das Annapurna-Massiv – genau der Gipfel der Annapurna IV mit 7.525 m sollte es diesmal werden. Nepal ist die Wasserscheide Asiens. Das Land liegt zwischen Indien und Tibet/China mit Landschaftsformen, die von subtropischem Dschungel bis zu den eisigen Höhen des Himalaya reichen. Zehn der höchsten Berge der Welt gehören ganz oder teilweise zu Nepal. Viele ethnische Gruppen leben in diesem kleinen Pufferstaat, in dem sich Hinduismus und Buddhismus, zwei der großen Weltreligionen verflechten. Im  Norden des Landes liegt die  Gebirgskette des Himalaya, mit Gebirgszügen aus  ewigem Schnee und Eis (himal) und den großen Gebirgstälern. 

Schon beim Anflug auf Katmandu fesselt der Blick auf die schneebedeckten Achttausender,  mit den majestätischen Gipfeln der  Annapurna I, des Dhaulagiri und Manaslu. Am 30.9. ging unser  Flug nach Kathmandu, nach 2 Tagen Aufenthalt weiter nach Pokhara. Von dort starteten wir am nächsten Tag um 6 Uhr in der Früh mit einer kleinen Turbo-Prob-Maschine in Richtung Flughafen Jomosom. Man fliegt durch das tiefe Kali-Gandaki-Tal, zwischen den 8000ern Dhaulagiri und Annapurna I hindurch,  und landet nach 1 Stunde auf einer Höhe von 2.700 m. Dort starten wir mit unserer Trekkingtour, auf dem bekannten  Annapurna-Cirkuit , aber im Uhrzeigersinn (die Trekkingroute  führt normal von Ost nach West gegen den Uhrzeiger). Wir gewinnen langsam an Höhe, passieren den Pilgerort Muktinath und überschreiten am 5. Tag den Thorong La – Pass, 5.417 m hoch. Die Mannschaft ist gut drauf und akklimatisiert, die Passüberquerung schaffen alle problemlos. Es geht weiter, wieder hinunter bis nach Manang und Hongde auf 3.200 m, den Ausgangsort für den Aufstieg zum Basislager.

Am 12.10.  geht´s los, bis zu einem Zwischenlager auf 3.800 m. Die Muli Karawane  mit der Ausrüstung ist von Hongde aus schon einen Tag vorher losgezogen, die Mannschaft hat die Zelte dort schon aufgebaut und vorbereitet. Am Abend gibt es Lagerfeuer und das erste Abendessen im Mannschaftszelt. Bei schönem Wetter steigen wir dann am nächsten Tag 1000 Höhenmeter höher bis auf 4.820 m wo das Basislager / Base-Camp dann unser Quartier für die nächsten 14 Tage sein wird. Für den kommenden Tag in der Früh haben die Sherpas eine Phuja – das ist eine buddhistische Weihefeier um die Götter gnädig zu stimmen – organisiert. Eigens dafür ist ein Lama mit einem Helfer vom Tal heraufgeritten.  Gleich darauf geht es los, die ganze Mannschaft marschiert quer über die Moräne um Material zum Anfang einer steilen Schnee- und Felsstufe zu tragen.  Fritz, Stefan und Walter und die zwei Sherpas beginnen einen Weg durch die Wand zu suchen und zu versichern. Kletterei in Fels und Eis im 4 bis 5 Grad – ganz schön anspruchsvoll !! Am Sonntag ist dann Ruhetag, die Tage darauf wird Lager 1 auf 5.500 m aufgebaut, der Weg zu Lager II auf 6.200 m gesucht und gespurt, Lager 2 errichtet und Material für Lager 3 hinaufgebracht. Fast alle steigen abwechselnd auf und schlafen auch in den Lagern, die Akklimatisation passt.

Wir haben Kontakt zu Karl Gabl, dem Wetterspezialisten für Expeditionen,  in Innsbruck. Er sagt für Donnerstag u. Freitag Schneefall voraus, für die Tage danach aber eher windstilles (Gipfel) Wetter. Fritz, Stefan u. Walter gehen am Donnerstag bei beginnendem Schneefall nach Lager 1 um nach Wetterbesserung einen Aufstieg zu versuchen. Es schneit dann wie vorhergesagt, in der Freitag-Nacht kommt noch ein ordentliches Gewitter mit Blitz und Donner dazu. Die Drei im Lager 1 bringen vorsichtshalber alles Eisenzeug aus den Zelten. Am Samstag gibt es wieder Kaiserwetter, aber vom Lager aufwärts hüfttief Schnee. Der Versuch weiter hoch zu steigen, erstickt vorerst im Schnee, auf den steilen Hängen nach oben ernste Lawinenwarnzeichen (Risse, Wumm-Geräusche, ..) – also Vorsicht, Umdrehen und Abstieg ins BC. Ernüchterung dann im Basislager, was tun. Wieder ein Rasttag, am Montag versuchen Fritz, Stefan und Walter mit den zwei Sherpas Tensing und Narbong wieder den Aufstieg. Bis zum Lager 1 geht´s recht gut, doch die Situation beim Aufstieg weiter aufwärts ist unverändert, kaum Weiterkommen möglich, nach wie vor äußerst gefährlich. Es ist nicht einmal möglich das Lager 2 zu erreichen, das ganze Material liegt noch oben. Gemeinsam wird beschlossen  abzubrechen. Es hat auch der starke Höhenwind mit gewaltigen Schneefahnen wieder eingesetzt, in den 3 oder 4 verbleibenden Tagen ist ein Gipfelgang nicht mehr möglich. Am Montagnachmittag wird mit vereinten Kräften Lager 1, die Sicherungsseile und das Materialdepot am Einstieg geräumt, am Dienstag steigen wir vom BC nach Hongde ab. Natürlich ist die Enttäuschung, vor allem unter den „Jungen“ , groß. Es hatte so spannend und anspruchsvoll angefangen, doch Sicherheit geht vor Risiko. Auch die Zelte und das Material im Lager 2 und die Ausrüstung für Lager 3 bleiben am Berg. In Hongde gibt es dann mit der ganzen Mannschaft noch eine berührende Abschiedsfeier mit Chang (selbstgebrautem Bier) Rakshi (Obstler) und gemeinsamen Tänzen. Anstatt des geplanten Fluges zurück nach Kathmandu marschieren wir dann 3 Tage zu Fuß zurück durch das Marsyangdi-Tal bis zum Beginn der Jeep-Piste, von wo wir zurück nach Pokhara und dann weiter nach Kathmandu fahren.

Auch wenn der alpinistische Erfolg nicht der war, den wir uns vorgenommen haben, war es trotzdem eine interessante und aufregende Reise. Eine der eindrucksvollsten Gebirgslandschaften unserer Erde, Land und Leute die man einfach einmal gesehen und erlebt haben muss, anspruchsvolle Expeditionsbergsteigerei, Kameradschaft und Zusammenhalt.   Wir sind froh, dass organisatorisch alles geklappt hat, und vor allem, dass Alle wieder gesund zurück sind – Namaste !!  Ke garne ??

Rudi Leeb

Info´s zum Berg

Die Annapurna IV

Einer der klassischsten Siebentausender Nepals in alpinem Gelände. Dieser Gipfel des riesigen, mehrgipfligen Annapurna-Massivs liegt im märchenhaften Tal von Manang. Trotz seiner fantastischen, buddhistisch geprägten Umgebung ein interessantes und wenig besuchtes Ziel.  Eingebettet in die höchsten Berge der Welt, gilt Nepal als Kreuzweg von Göttern und Menschen. Der Himalaya wird von knapp einer Milliarde Menschen, von Buddhisten ebenso wie von Hinduisten, als heilig verehrt. Die Berge sind Wohnstätten der Götter und Heiligen und für manche gar die Verkörperung einer Gottheit selbst. Nirgendwo sonst auf der Erde geniesst ein Gebirge eine derart mythische Verehrung in einer so grossen und vielfältigen Völkergemeinschaft. Die Annapurna IV befindet sich im östlichsten Teil der Annapurna-Kette südlich des Thorong-La. Der Tilicho-See bildet den Ursprung des Marsyangdi-Flusses. Da das Marsyangdi-Tal im Regenschatten des Annapurna Himal liegt, ist die Landschaft sehr breit und deshalb eher typisch für Tibet als für Nepal. Schon das Basislager ist eine Reise wert. Es liegt in einer Mulde, geschützt vor allem Unbill der Natur und bietet eine grandiose Aussicht auf den Manaslu, die Annapurna-Gipfel sowie den immer noch gesperrten Machapuchare.

Klima

Im Himalaya treffen zwei spezielle Klimatypen aufeinander: Die Südabdachung ist geprägt von einem subtropischen Monsunklima mit einem Niederschlagsmaximum im Sommer, die Nordabdachung gegen das tibetische Hochland von einem ariden Kontinantalklima mit warmen Sommern und bitterkalten Wintern. Für Expeditionen im Himalaya stehen grundsätzlich zwei Zeitfenster zur Verfügung, eines im Frühling (Vor-Monsun), das zweite im Herbst (NachMonsun). Beide haben ihre Vor- und Nachteile, die je nach konkretem Ziel überwiegen können. Grundsätzlich bringt der Vormonsun (Frühling) angenehmere (wärmere) Temperaturen, aber auch grössere Probleme mit der Feuchtigkeit. Regelmässige Niederschläge sind sehr wahrscheinlich. Oft liegt noch viel Schnee, was bei der Überquerung hoher Pässe oder bei der Durchquerung von Schmelzwasser führenden Flüssen zum Problem werden kann. Im Herbst dagegen sind die Temperaturen am Berg tendenziell tiefer, aber dank moderner Ausrüstung kann man sich gegen die Kälte recht gut schützen. Zwar ist es häufig so, dass uns der zu Ende gehende Monsun auf dem Anmarsch noch begleitet, aber am Berg hat man dann oft ein ausgeprägtes Schönwetterfenster, bevor die stürmischen Höhenwinde der Jetstreams einsetzen.

Panorama (Bild Günther Klammer)

Panorama (Bild Günther Klammer)